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Infos zu Katsuhiro Otomo's Manga und Anime.

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Gemeinsames und Unterschiede

Gemeinsames:
Nach einem Supergau wird Tokio wieder aufgebaut. Nur noch ein Krater außerhalb der Stadt erinnert an die Katastrophe, bei der die japanische Metropole Ende des 20. Jahrhunderts vollständig ausgelöscht wurde.
Kaneda und Tetsuo, die sich mit ihrer Motorradgang den Clowns heftige Kämpfe im wieder aufgebauten Neo-Tokyo liefern, entdecken eines Nachts ein Kind mit greisenhaften Gesichtszügen, das auf einer Hand die Markierung -26- trägt.

Noch ehe sie begreifen, was eigentlich geschieht, sind sie in die Auseinandersetzung zwischen einer wissenschaftlich-militärischen Organisation, die von einem mysteriösen Colonel geleitet wird, und einer politischen Gruppe, der auch die beiden Widerstandskämpfer Kei und Ryu angehören, verwickelt.
Es scheint dabei um eine Reihe von Kindern zu gehen, die über geheimnisvolle Kräfte verfügen. Eins davon - Nummer 28 - wird Akira genannt und wird seit Jahrzehnten unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in künstlichem Tiefschlaf gehalten.
Durch ein Experiment in dem geheimen Labor des Colonels werden auch in Tetsuo ungeahnte Kräfte geweckt; er wird zu Nummer 41 und befreit Akira aus seinem  Kälteschlaf.

Bis hierhin gleichen sich Comic und Film im Wesentlichen. Der Manga, der immerhin über 2000 Seiten umfasst, ist natürlich anders gestaltet wie der 2 Stunden Film.

Bild: Akira - Schreibweise in Katakana (japan. Schriftzeichen)

Unterschiede:
Im Original Manga von 1982 setzte Otomo die Explosion in Tokio auf den 6. Dezember 1982,
das ist der Monat des ersten Original-kapitels. Im späteren Anime war es der 16. Juli 1988.
In den internationalen Ausgaben von Comic und Film begann der Dritte Weltkrieg am 6. Dezember 1992, also 10 Jahre später.
Die Uhrzeit bleibt jedoch gleich: 14.17 Uhr.
Unterschiedlich ist wieder der Abstand zum Zeitpunkt der Handlung.
Im Manga der internationalen Ausgaben sind es 38 Jahre, d.h. der Zeitpunkt der Handlung beginnt 2030;
im Anime beträgt der Abstand 31 Jahre und wird auf das Jahr 2019 verlagert.

Während der Film mit der Zerstörung Neo Tokios nach dem Erwecken Akiras endet, wird im Comic durch diese 1. Zerstörung der zweite (längere) Teil eingeleitet. Verursacht wird die Zerstörung durch Takashis Tod, der von Nezu erschossen wird.

Die weitere Handlung im Manga ist die Bewältigung des Chaos im apokalyptischen NeoTokio, in dem mehrere Gruppen versuchen die Macht an sich zu reißen und die Bekämpfung Tetsuos, um noch größeres Unheil zu vermeiden. Nachdem der Manga ziemlich furios begann, verringert sich das Anfangstempo zwischenzeitlich, was jedoch keinen Einfluss auf die Spannung hat. Statt Action tritt der mystische Teil und die Lösung des Falles in den Vordergrund, nämlich die Frage auf welchen Punkt sich Akira und Tetsuo hin entwickeln.

Im Manga treten Figuren auf, die im Film gar nicht, bzw. nur als Randfiguren erscheinen. Da wäre z.B. Akira selbst, der im Anime eher als metaphysische Kraft auftritt; erwähnenswert sind auch Miyako - die im Film nur als endzeitlicher Freak erscheint, oder Joker - Boss der Clowns, Weggefährte Kanedas im Kampf gegen Tetsuo. Ebenfalls ist das amerikanische Militär vertreten, das mit Lieutenant George Yamada die bedrohliche Situation klären soll, sowie das Expertenteam, das die Phänomene wissenschaftlich zu erklären versucht. Als Freundin von Kei ist Chiyoko zu nennen, die mit ihrer Kampferfahrung so manchen Gegner in die Flucht schlägt.

Interessant ist die zwischenzeitliche Herstellung des Animes. Die Ausgaben im Young-Magazine pausierten vom 20. April 1987 (mit Nr. 87 von 120) bis 21. November 1988. Das ist die Ausgabe des s/w Sammelbandes 5. Die Produktion des Films dauerte 1986-88; in dieser Zeit erschienen neben den Produktionsreporten und CD´s auch die Anime Comics (Cinemangas) in 5 Ausgaben.
Otomo's Zeichenstil ändert sich eher unauffällig im Laufe der Zeit, jedoch zum Schluss der Serie massiv. Sie ist also unabhängig vom Erscheinungstermin der einzelnen Manga Folgen und anscheinend nicht im Zusammenhang mit der Entstehung des Zeichentrickfilms zu sehen.
Allerdings weicht das Erscheinungsbild der farbigen Ausgabe zum Ende auch von der s/w Vorlage ab, da sie Kolorierung zu dieser Zeit computergesteuert wurde.

Sonstiges:
Im Manga ist es Tetsuo's linker Arm der vom japanischen Killersatellit SOL zerstört wird - im Anime sein rechter Arm.
Der amerikanische Killersatellit FLOYD ist identisch mit SOL.
Im Manga zerstört Tetsuo den amerikanischen Satelliten indem er ihn auf die Flotte stürzen lässt - im Film ist es SOL der zum Absturz gebracht wird.

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Bild: Kaneda mit Laserwaffe auf seinem Bike, Cover von Cinemanga 5

 

Wesentliche Bestandteile der Story sind der Umgang mit Macht; als Japaner hat Otomo die Auswirkungen von Nuklearenergie am eigenen Leib erfahren können. Doch nicht nur der Umgang mit Nuklearwaffen, auch die Auswirkungen von politischer Macht auf die Bevölkerung ist von Bedeutung. Das wird bei der Betrachtung des Senats deutlich.
Die Konjunktur ist vorbei, die Menschen erwarten Veränderungen doch der Senat lamentiert nur und denkt lieber an sich selbst. Die Aufstände der Bevölkerung sind der Ausdruck von Ziellosigkeit und Unterdrückung. Was ist einfacher, als Revolution mit Waffengewalt zu unterbinden. Gerade in solchen Situationen haben nicht nur Terror - sondern auch religiöser Fanatismus eine größere Bedeutung.
Interessant ist auch der Aspekt zur Wissenschaft. Ethik und Moral werden kleingeschrieben. Gemacht wird, was interessant und durchführbar ist. Dabei wird keine Rücksicht auf die einzelne Person genommen denn schließlich ist ja alles zum Wohl für künftige Generationen. Soweit meine persönliche Meinung.
Für Otomo sind die Hauptmotive in Akira die Beziehung zwischen den Generationen einerseits
- Überalterung der Gesellschaft, was hier mit den Espers und ihrer Kraft trotz Senilität gezeigt wird, und
- die Beziehung zwischen Maschine und dem ersetzbaren Menschen anderseits.

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In diesem Rahmen agieren die Figuren.
Neben den Personen, die für die genannten Stichpunkte stellvertretend sind, bewegen sich die Hauptcharaktere Tetsuo Shima und Kaneda Shotaro, die ihre Individualität in der Geschichte dem Umstand verdanken, zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen zu sein (oder war's umgekehrt..).
Obwohl die einzelnen Figuren charakterlich stark ausgeprägt sind, sind sie ein Bündel von mit-, gegen- und nebeneinander agierenden Personen, die für den Verlauf der Geschichte nicht ohne einander auskommen.
Daneben stellt auch der Perfektionismus im Bild einen Höhepunkt da. Ein verschwenderischer Umgang mit Details sorgt für Atmosphäre, obwohl sie beim Lesen bzw. Sehen kaum wahrgenommen werden.
Generell sind der Film und der Comic erst ab 16 Jahre geeignet. Ist der Anime teilweise schon recht realistisch - wenn auch nur in recht wenigen Szenen - so setzt der Manga noch eins drauf. Besonders der moralische Werteverlust der Gesellschaft im zerstörten Neo Tokyo wird recht deutlich gezeigt.

Viele Namensgebungen in der Geschichte haben ihren Ursprung in dem Manga Klassiker Tetsujin-28 aus den Fünfzigern, von dem Otomo ein großer Fan ist.
Eine Figur heißt auch Kaneda Shotaro, namensverwandt sind Professor Shikishima und sein Sohn Tetsuo, und Akira besitzt ebenfalls die Nummer 28.

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Akiras Erfolg

Um den Erfolg, den Akira im Westen wie im Osten hatte, verstehen zu können muss die Erzählweise des Mangas betrachtet werden.
Ein Merkmal des Mangas ist die Übereinstimmung zwischen Trickfilm- und Comiczeit. Das ist auf die starke Anlehnung an den Zeichentrickfilm zurückzuführen, beide Elemente sind in Japan eng verwoben. Das hat jedoch die Streckung einzelner Szenen zur Folge.
Während im westlichen Comic in einem einzigen Comicbild ganze Dialoge geführt werden, dehnt sich dieser Vorgang im Manga bis auf mehrere Seiten aus. Die scheinbar zeitlupenartige Wiedergabe wird durch Erzeugung von Bewegung (z.B. Linien) oder Atmosphäre und einem detaillierten Hintergrund ausgeglichen, während die Figuren eher unbeweglich wirken.
(Diese Erzählweise ist auch der Grund für die seitenmäßig langen Geschichten so wie die hohe Lesegeschwindigkeit und die Verfügbarkeit in schwarz-weiß, da ein farbiger Druck bei hoher Seitenanzahl zu teuer wäre.)
In Akira sind Mimik und Gestik der Darsteller sehr vielfältig, der Handlungsablauf teilweise rasant. Dieser Zeichenstil wurde von Otomo eingeführt, da er viele westliche Vorbilder hatte. Viele Mangaka (Mangazeichner) übernahmen diesen Stil erfolgreich. Somit gilt Otomo als Erneuerer der Manga Kultur.
Den großen Durchbruch im Westen hatte Otomo dem amerikanischen Marvel Verlag zu verdanken, der 1988 erstmalig ein solch großes Werk für den westlichen Leser aufbereitete, was mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist.
Dass dies nicht schon vorher geschehen ist, mag wohl am Genre liegen; östliche Science-Fiction Kultur ist weniger mit den westlichen kulturellen Themen und geschichtlich oder sozialem Umfeld verbunden; dafür aber ohne Vorkenntnisse erlebbar.

 

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