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Infos und Bilder zu Katsuhiro Otomo's Manga Akira.

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Manga: Definition und Geschichte

In Japan (Nippon) heißen Comics "Manga".
Dieser Begriff wurde erstmals von dem Künstler Katsuhika Hokusai (1760 - 1849) verwendet, der eine Sammlung seiner Karikaturen unter dem Titel Hokusai Manga herausgab. Das Wort setzt sich aus zwei Ideogrammen zusammen, von denen das erste 'man' launisch oder zwanglos-, und das zweite 'ga' Zeichnung oder Bild bedeutet.
Manche wollen die Ursprünge der modernen Mangas schon in den frühen Drucken der Heian-Epoche (794 - 1185) sehen, auf denen Kämpfe zwischen Menschen und Tieren oder Gedenktage und Feste des Jahresablaufs abgebildet sind. Andere finden sie in den Ukiyo-e, den Bildern einer wogenden Welt, die erotische Szenen präsentieren. Wenn man aber Comics - oder in diesem speziellen Fall 'Mangas' - als eine Folge von Bildern definiert, die zu Kommunikationszwecken in größeren Auflagen in Zeitungen Verbreitung finden, dann sind die frühesten Mangas erst in der Meiji-Epoche (1168 - 1912) zu finden. Es ist wohl kein Zufall, dass sich Japan gerade in dieser Zeit ökonomisch und kulturell dem Abendland zu öffnen begann. Bis in diese Epoche lassen sich die Anfänge der satirischen Zeitschrift 'The Japan Punsch' zurückverfolgen, die zwar in Japan produziert wurde, sich aber unter Leitung des Engländers Charles Wirgman an die in Japan lebenden Menschen aus der westlichen Welt richtete. Sie enthielt unter anderem Karikaturen und kürzere Bildgeschichten.
Ein weiterer Europäer, der zur Geburt der Mangas einen Beitrag leistete, war der Franzose George Bigot, der während seines achtzehnjährigen Aufenthalts in Japan (1882 - 1900), eine vierzehntägig erscheinende satirische Zeitschrift namens 'Tobaé' publizierte, die die japanischen Zeichner dieser Zeit entscheidend beeinflusste. Die berühmtesten Beispiele hierfür sind wohl die Arbeiten von Rakuten Kitazawa, der seinerseits mit 'Tokyo Puck' das erste in Farbe gedruckte Satireblatt auf den Markt brachte. Ab 1914 publizierte der Verlag Kodansha, heute der grösste Comic-Anbieter in Japan, unter dem Titel 'Shonen Club' ein illustriertes Monatsheft für Jugendliche (Shonen=Jugendlicher, Junge). Es enthielt eine Mischung aus aus redaktionellen Beiträgen und Comics. Kurz darauf wurde der Markt segmentiert und das Magazin wurde speziell für Jungen umkonzipiert. Gleichzeitig erschienen die Hefte 'Shojo Club' für Mädchen und das den jüngsten Lesern gewidmete 'Yonen Club'. Wie in den Vereinigten Staaten bekam die Entwicklung der Comics auch in Japan ihren nächsten entscheidenden Impuls durch die Tageszeitungen, die ab den 20er Jahren für eine weite Verbreitung der Mangas sorgten. In dieser Zeit holten sich offensichtlich viele der japanischen Comic-Zeichner (=Mangaka) ihre Anregungen aus der amerikanischen Produktion.

Erste Seite der Erstausgabe von Akira vom 20. Dezember 1982

Ein Beispiel hierfür wäre etwa die Serie 'Nonki na Tosan' von Yutaka Aso, in der die Hauptfigur Nonto kurze Abenteuer zu bestehen hat. Auch die Wochenendbeilagen der Tageszeitungen hatten ihre Vorbilder in Amerika. In einer von ihnen, der zur Tageszeitung Asahi Shinbum gehörenden Asahi Graph, wurde 1923 die Serie 'Bringing up Father' von George McManus veröffentlicht.
Auch 'Mutt and Jeff' von Bud Fisher, 'Happy Hooligan' von Frederick Burr Opper und die berühmte 'Felix the Cat' von Pat Sullivan fanden in dieser Zeit ihren Weg nach Japan.
Als weiteres Anzeichen für den Einfluss der amerikanischen Comics auf dieManga kann die 1932 gegründete Autorenvereinigung 'Nihon Mangaka Kyokai' gewertet werden, die sich dem Ziel verschrieben hatte, die amerikanischen Comics zu erforschen.
Die später auch für die Rechte der Autoren und Zeichner eintretende Vereinigung existiert noch heute.
Der moderne japanische Comic bildete sich nach dem Zweiten Weltkrieg heraus und wird vor allem von den Zeichnern Machiko Hasegawa und Osamu Tezuka geprägt. Ersterer entwickelte für die Tageszeitung Fukunuki den täglich erscheinenden Strip 'Sazae-San', dessen kleine familiäre Geschichten um das Mittelstands-Ehepaar Masuo und Sazae Fuguta sich über mehrere Jahrzehnte hinweg grossen Erfolgs auf dem japanischen Markt erfreuen konnten.
Osamu Tezukas Name steht vor allem für die grossen stilistischen und technischen Revolutionen in den Mangas, die durch Figuren wie 'Tetsuwan Atom', 'Jungle Tatei' (Kimba der weisse Löwe) oder 'Hi no Tori 2772' auch in der westlichen Welt zur Kenntnis genommen wurden.

In den 50er Jahren fanden entscheidende Veränderungen bei der Produktion von Mangas statt. Die Magazine für Kinder vergrößerten ihr Format und erhöhten ihren Umfang. 1955 kamen dann die ersten Nachdrucke erfolgreicher Serien als Taschenbücher auf den Markt, die später zu einem besonderen Merkmal des japanischen Marktes werden sollten.
Ein Jahr später erschien mit 'Shukan Manga Times' das erste wöchentliche Mangas Magazin, das schon bald zahlreiche Nachahmer fand.
Der neue Erscheinungsrhythmus zwang auch die Autoren zu einer erhöhten Produktivität, und so erfuhr der japanische Comic Markt insgesamt eine erstaunliche Wachstumsphase. Die wöchentliche Gesamtauflage der über 300 Zeitschriften, die die Milliardengrenze überschreitet, und die sich auf fünf Millionen Exemplare belaufende Auflage des größten Magazins, 'Shonen Jump' (Vorbild für das BANZAI! Magazin in Deutschland), legen Zeugnis hierfür ab.
(geändert aus: Das große Illustrierte Ehapa Comic-Lexikon, 1993)

 

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