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Otomos Anime Akira

Infos zum Zeichentrickfilm, DVD, VHS

(Infos zum geplanten Realfilm gibt es hier.)

Der Handlungsablauf

Neo Tokyo im Jahr 2019.
Nach einem Supergau vor 38 Jahren wurde die Stadt neu aufgebaut, doch jetzt regieren wieder Chaos und Gewalt in den Strassen.
Kaneda ist der Führer einer Schülermotorrad-Gang, die sich mit anderen Banden regelmässig bekriegt.
Eines Tages geraten er und sein Freund Tetsuo in einen Militäreinsatz, bei dem ein greisenhafter Junge (Takashi) das Ziel ist. Tetsuo, der sich dabei verletzt, wird vom Militär in ein Hospital entführt, wo Versuche mit Kindern durchgeführt werden um deren paranormale Kräfte militärisch zu nutzen.
Tetsuo besitzt ebenfalls diese Kräfte, die durch die Verabreichung von Medikamenten immer stärker werden und ihn schließlich beherrschen.
Bald ist er selbst von den Regierungstruppen nicht mehr zu stoppen. Kaneda hat sich inzwischen einer Untergrundbewegung angeschlossen, die vom geheimnisvollen Akira-Projekt weiß.
Akira ist ebenfalls ein Ergebnis der miltärischen Forschungen.
Seine Kräfte vernichteten die Stadt vor 30 Jahren. Er wurde "tiefgefroren" um die Menschheit vor seiner gefährlichen Kraft zu schützen.
Tetsuo weckt Akira um mit ihm zu herrschen.
Schließlich kommt es zwischen Tetsuo und Kaneda zum Kampf im Olympiastadion, unter dem Akira begraben sein soll.

Infos zum Film:

Original-Stimmen:

Entstehung und Techniken

1986 wurde Otomo der Vorschlag zu einem Film mit einem Budget von 7 Mio. $ gemacht.
Da der Kinofilm vor dem Abschluss des Mangas gemacht wurde, könnte man meinen, dass die Story im Film etwas zu kurz kommt.
Da Katsuhiro Otomo jedoch selbst die Regie führte, passt sowohl die Grundaussage als auch die Stimmung zum Manga.
Der Ablauf ist zwar kompliziert jedoch bleibt er immer logisch und ist keineswegs irreführend.
Dass man den Ablauf beim ersten Sehen meist nicht komplett versteht ist auch richtig.
Dies ist allerdings auf die sehr komplexe, metaphysische Story des Films zurückzuführen und nicht etwa auf fehlende Zusammenhänge.

Unterschiede gibt es natürlich auch in den Charakteren.
Da tauchen im Film andere Typen auf, teilweise wirken Charaktere aus dem Comic im Film nur als Nebendarsteller oder wurden wegrationalisiert.
Der Kurzauftritt Akiras wurde übrigens gegen den Willen Otomos realisiert.
Unterschiedlich ist ebenfalls der Zeitpunkt der Handlung.
So startet der Anime im Jahr 2019 - im Manga jedoch im Jahr 2030.
Oberste Priorität bei der Herstellung von AKIRA hatte der realistische Stil, der nötig war, um das Neo-Tokio des Jahres 2019 darzustellen.
Es wurden 2.212 Einstellungen und 160.000 Einzelbilder gebraucht, um die gewünschten lebensnahen Effekte zu erzielen.
Ungewöhnlich für einen Zeichentrickfilm ist auch, dass AKIRA auf 70 mm Film gedreht wurde, um beste Brillianz und Schärfe für die Projektion zu erreichen.

Für die Dialoge wurde eine Methode angewandt, die im japanischen Animationsfilm sehr selten ist.
Alle Stimmen wurden aufgenommen, bevor die Zeichnungen erstellt wurden, so dass die später gezeichneten Figuren die zuvor aufgenommenen Dialoge lippensynchron sprechen.
Ein Hilfsmittel für die Dialogaufnahme war die Aufzeichnung der Storyboard's auf Video, damit die Sprecher ihre Rollen und Einsätze verfolgen konnten.
Otomo führte selbst die Regie bei der Synchronisation.

Der Kontrast zwischen den leuchtenden Farben, die für das Zentrum von Neo-Tokio verwendet wurden und den düsteren Farben für außerhalb gelegene Gebiete ist sehr eindrucksvoll.
Da überwiegenden Nachtszenen wurden besonders viele verschiedene Schattierungen der Farbe Blau verwendet, die auf der Kinoleinwand am Besten zur Geltung kommen.

Utensilien und Technik

Cels
Akira cells sind im Umlauf, die meisten allerdings auf Grund ihres Alters und der hohen Nachfrage schon an Sammler verkauft.
Es tauchen allerdings hin und wieder cels auf; Interessierte sollten den amerikanischen Markt von eBay besuchen.
Diese gehen allerdings für horrende Preise über den Tisch.
Auch sind viele second hand cels nicht mehr in bester Qualität, was ebenfalls auf das Alter des Films zurückzuführen ist.

Vergleich: Genka und Cel
die Vorzeichnung (Genka)...
Die Vorzeichnung (Genka)...
...und ausgemalt (Cel)
...und ausgemalt (Cel)

Storyboard

Es ist das Unvermögen des Menschen, ab einer bestimmten Bildfrequenz keine einzelnen Bilder mehr trennen zu können, welches Animationsfilme erst möglich machen.
Die Künstler, die Zeichentrickfilme herstellen, müssen dagegen sehr genau die einzelnen Bilder trennen und die Bewegungsphasen erstellen.
Je mehr unterschiedliche Bewegungsphasen gezeichnet werden, desto natürlicher und fließender wirkt später die Bewegung.
Auch wenn der Computer bereits eine wichtige Rolle bei der Produktion von Zeichentrickfilmen spielt, am Anfang einer Produktion sitzen noch immer Zeichner mit einem weichen Bleistift (2 oder 3B). Zunächst entwerfen sie für den gesamten Film ein Storyboard.
Dieses ist meist recht grob, zeigt die wesentlichen Örtlichkeiten und einige Positionen.
Mit dessen Hilfe und der des Drehbuchs werden die Dialoge vorproduziert.
Dies kann entweder mit den endgültigen Stimmen, oder von anderen Sprechern als Layout aufgenommen werden.
Als Arbeitsgrundlage werden dann die abgefilmten, starren Storyboardzeichnungen mit den dazugehörigen Dialogen vertont.
Damit werden wichtige Zeitabläufe festgelegt.

Layout

Jetzt erst beginnt die eigentliche Zeichenarbeit für den Film.
Layouter entwickeln Abläufe der einzelnen Szenen, und lösen sie in Einstellungen, Blickwinkel und Perspektiven auf.
Sie planen die Hintergründe, die Bewegungen der Kamera, die Anschlüsse zu den übrigen Szenen.

Charaktere

Die einzelnen Zeichenfiguren werden hinsichtlich ihrer Gestalt, Bewegungsmöglichkeiten und Farbgebung entworfen.
Es werden Zeichnungen in verschiedenen Positionen angefertigt, um den Phasenzeichnern Richtlinien und Vorschläge für die Animation zu geben.
Professionelle Zeichner entwerfen dann die Bewegungsabläufe zu jeder Handlung.
Sie sind es, welche die starren Figurenentwürfe zum Leben erwecken.
Die Zeichner, welche die Hauptphasen (Key Frames) mit dem Bleistift entwerfen, zeichnen sehr locker und skizzenhaft nur etwa jede dritte oder vierte Bewegungsphase.
Dabei ist besonders der Umriss, die Kontur von Interesse, Oberflächen oder Strukturen interessieren in diesem Arbeitsgang noch nicht.
Die Phasen werden in einem zeitlichen Ablaufplan (Exposure Sheet) notiert, und die genaue Gesamtlänge und Anzahl der Zwischenphasen festgehalten. Bereits in dieser Arbeitsphase ist es wichtig, den Zeichenfiguren eine fliessende, bogenförmige Bewegung mit auf den Weg zu geben.
Die Zeichnungen werden zur Überprüfung der Abläufe gescannt oder mit einer Videokamera aufgenommen und in einem so genannten Line-Test, einem kontinuierlichen Abspiel der Phasen (Rough Animation), angeschaut.

Zwischenphasen (Inbetweens)
Sind die Bewegungsabläufe gelungen, werden die Phasenzeichnungen zu dem oder den Zwischenphasenzeichnern gegeben, welche der Skizzenreihe die fehlenden Zwischenphasen, die der Phasenzeichner ausgelassen hat, hinzufügen.
Die nächste Station in der Zeichentrickproduktion ist der Cleaner.
Ein oder mehrere Zeichner wandeln die skizzenhaften Zeichnungen in klare Linien um und kümmern sich um die Feinheiten der Figuren.
Je nach Aufnahmeverfahren werden die Reinzeichnungen entweder auf Papier oder auf transparenter, mit Passer-Lochungen versehener Folie ausgeführt.

Kolorierung

Die gecleanten Phasenzeichnungen werden entweder von Hand mit Folienfarbe auf der Rückseite ausgemalt, oder eingescannt und am Computer koloriert.
Dabei wird nach einer vorher festgelegten Farbpalette gearbeitet, damit die farbliche Gestaltung der Figuren durch den Film hinweg konstant bleibt. Das Ergebnis sind dann die begehrten Celloloids.

Schatten

Je nach Szene, Raum oder Landschaft werfen die Zeichenfiguren unterschiedliche Schatten. Für jede Szenerie wird durch eine Markierung im Layout eine Lichtrichtung (Sonne, Feuer, etc.) festgelegt. Danach richten sich dann die Zeichner, die für die Schatten zuständig sind.

Hintergründe (Backgrounds)

Für die Hintergründe sind wieder andere Zeichner verantwortlich, die Räume und Landschaften für die Zeichenfiguren erschaffen.
Diese werden in mehreren getrennten Ebenen gemalt: Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund.
Auf diese Weise bekommen die zweidimensionalen Zeichnungen Räumlichkeit und unterschiedliche Schärfeebenen wie bei Realaufnahmen.
Für einen abendfüllenden Film entstehen so mehr als Tausend Hintergrundbilder.
Besonders wichtig ist, dass sich die verschiedenen Zeichner auf einen einheitlichen Stil einigen, schließlich soll der spätere Film wie aus einem Guss wirken.

Aufnahme

Man kann die fertig kolorierten Zeichnungen entweder an einem klassischen Tricktisch mit den Hintergründen kombinieren und abfilmen, oder eben eingescannt per Software zusammenfügen.
Ein einfacher Tricktisch besteht aus einem Tisch mit eingelassener Milchglasscheibe, die von unten beleuchtet werden kann sowie einer Säule zur Befestigung einer Trickkamera.
Solch eine Kamera ist in der Lage, Einzelbilder, wie ein Fotoapparat mit sehr präzisem Bildstand aufzunehmen.
Spezielle Passerstifte neben der Milchglasscheibe stellen sicher, dass die Folien stets exakt übereinander liegen.
Durch die Anordnung der verschiedenen Vorder- Mittel und Hintergründe bekommen die Bilder Tiefe.
Die heute gebräuchlichere Variante ist die der Computerbearbeitung und späteren Ausbelichtung der fertigen Bilddateien.
Im Compositing werden die Ebenen zusammengefügt, die kolorierten Phasenbilder eingepasst.
Die digitale Arbeit an Zeichenfilmen hat neue Arbeitsweisen zur Folge.
Ältere Animationsfirmen können mit den beschleunigten Produktionsprozessen nicht mithalten, neuere Firmen müssen hohe Investitionen in Soft- und Hardware tätigen, die sie später zwingen, ständig Aufträge zu haben, um diese bevor die Technik veraltet ist, amortisieren zu können.
Für einen abendfüllenden Zeichentrickfilm arbeitet ein mittleres Zeichnerteam immerhin mehrere Jahre.
Für jede Sekunde Film sind 24 Einzelbilder erforderlich.
Das sind für Akira bei ca. 240 Minuten also ungefähr 345.600 Cels.

DVD's

DVD 9

Auf dem deutschen Markt sind bisher zwei DVD Ausgaben mit deutschsprachiger Übersetzung erhältlich.
Die erste von 1999 - erschienen bei VCL (Laser Paradise) - leider ohne Extras und nur mit leidlicher Bildqualität.
Allerdings legte das Label 2001 eine neue Auflage vor - die sich zwar nicht in der Bildqualität - wohl aber in der Menueführung und im zusätzlich vorhandenen Soundtrack unterscheiden.
Außerdem bietet die zweite Version ein 50 Minuten dauerndes 'Making Of' in englischer Sprache.
Äußerlich unterscheiden sich die verschiedenen Auflagen nicht.
Widescreen 1,85:1, Dolby Surround und Dolby Digital 5.1, 120 Min, FSK 16 Jahre, 7243 MB.

Die zweite Edition (Ultimate Edition) erschien Dezember 2005 bei Panini Video:
Bildformat: 16:9 (anamorph), Videostream: 4,88 MBit/s, PAL, 720 x 576
Tonformat: Japanisch Dolby Digital 2.0;
Deutsch: DTS 5.1, Dolby Digital 5.1 und Dolby Digital 2.0.
Audiostream: 768 (DTS) / 448 (DD5.1) / 192 (DD2.0) kBit/s, Größe 8026 MB.
Untertitel: deutsch, FSK 16 Jahre, Preis: empfohlener VK: 24,95 €.
Für die Neuauflage wurde eine neue Synchronisation angefertigt weil die alte Tonspur schlecht in das neuere Dolby 5.1 integriert werden konnte. Vorteil dabei ist auch, daß die Umgangssprache angepasst wurde. Als Extras gibt es den Original Trailer und ein 'Making Of'.

Blu-ray

Eine Blue-ray Ausgabe wird zum 24. Februar 2009 erwartet.

Video

Eine Videoausgabe erschien bei Warner Home Video.
Erhältlich z.B. bei amazon.de oder eBay.

Soundtrack

Der Soundtrack zu einem Anime wird in Japan 'BGM - Background Music' - (ビージーエム) genannt. Diese Bezeichnung wäre für die Musik von Akira wohl zu einfach.
Shoji Yamashiro gründete 1974 den Chor GEINOH YAMASHIROGUMI, der aus über 200 Mitgliedern besteht und vornehmlich experimentelle Musik mit traditionellen und modernen Instrumenten und Vokalen umsetzt.
In Deutschland erschien der Soundtrack Juli 1996 unter dem Label 'edel'.
Grundsätzlich gibt es meines Wissens nach nur drei Interpretation:

CD 1 mit 10 Titlen von 1991

Original Soundtrack (aufgenommen 1988, produziert 1990, Laufzeit: 69 Min. 31 Sek.)

Titel 1: Kaneda (3'10)
Ein dynamisches Stück, das mit schnellen Rythmen das Leben Kaneds und der Bikergang wiedergibt.
Eingegliedert sind das indonesiche Percussions-Ensemble JEGOG und die Rufgesänge des japanischen Nebuta-Festivals.

Titel 2: Battle against Clown (3'36)
Teile des Stückes sind während des Filmkampfes zwischen Kaneda und Joker zu hören.

Titel 3: Winds over Neo-Tokyo (2'45)
Ein meditatives Synthesizerstück

Titel 4: Tetsuo (10'15)
Es zeigt den Fortschritt bei Tetsuos para-normaler Entwicklung.
Gamelan-Klänge wechseln und ergänzen sich mit Orgel und Chor in verschiedenen Variationen.

Titel 5: Doll´s Polyphony (2'53)
Das Stück gibt Tetsuos Albtraum mittels der Polyphonie afrikanischer Pygmäen wieder.

Titel 6: Shomyoh (10'10)
Buddhistische Betgeänge in verschiedenen Variationen und Ergänzungen; im Film teilweise bei Miyakos Auftritt zu hören.

Titel 7: Mutation (4'49)
Tetsuos Verwandlung in ein Monstrum.
Verwendet wurden u.a. buddhistischer Sanskrit und balinesischer Kecak-Gesang.

Titel 8: Exodus from the underground fortress (3'17)
Kei und Kaneda fliehen aus dem unterirdischen Gefängnis.

Titel 9: Illusion (13'56)
Das Stück ist unterteilt in 2 Einzelteile. Der erste Teil ist den Espers gewidmet, der nächste Teil beinhaltet Elemente des traditionellen Noh-Theaters.

Titel 10: Requiem (14'27)
Das Finale vereint westliche und östliche Elemente, wie das balische Manira und das japanische Darani.

CD 2 mit 4 Titeln

Original Japan Pressung, beinhaltet zusätzlich Dialoge und Soundeffekte.
- Kaneda (Laufzeit: 9 Min. 56 Sek.)
- Tetsuo 1 (12 Min. 36 Sek.)
- Tetsuo 2 (12 Min. 33 Sek.)
- Akira (7 Min. 56 Sek.)

CD 3 - Symphonic Suite

die Klassikversion ist identisch mit der ersten Version, nur mit unerheblich anderer Laufzeit und ohne Zwischenstimmen und Soundeffekte.

Link zur Hauptseite von www.microwar.de
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